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A K T U E L L
Ideen für einen Lutterpark
pro grün e.V. organisiert eine Exkursion zum Flora-Westfalica-Park in Rheda-Wiedenbrück

Am letzten Oktobertag im Jahr 2015 hatte der pro grün e.V. zu einer Exkursion in den Nachbarkreis Gütersloh eingeladen. Gekommen waren neben Vereinsmitgliedern Bielefelder Lutteranlieger, Politiker und Mitarbeiter der Bielefelder Umweltverwaltung. Mit dem Flora Westfalica Parkleiter und zwei Vertretern des Landschaftsarchitekturbüros standen der Bielefelder Exkursionsgruppe drei äußerst kompetente und auskunftsfreudige Experten zur Verfügung. Eine zentrale Frage zog sich wie ein roter Faden durch die gut dreistündige Begehung: Was können wir für einen Lutterpark in Bielefeld aus der Konzeption, Gestaltung, Erfahrung um den Ems-Park lernen?

Der Ems-Park ist hervorgegangen aus einer Landesgartenschau (1988) mit einer Ausdehnung von ca. 2,6 km als Verbindung der beiden Teile von Rheda-Wiedenbrück und zur Einbindung der Ems in einen Freizeit- und Erholungspark mit größeren Naturschutzanteilen. Derzeit wird der Park nach 28 Jahren modulweise renoviert und umgestaltet; Jahresbudget für die GmbH dafür: 3 Mio € aus Mitteln der Kommune, zuzüglich starker Landesförderungen (z.B. für Wege- und Brückenbau). – Damit ist der Park nicht unmittelbar zu vergleichen mit einem viel bescheideneren Lutterpark, hat aber doch eine Reihe von vergleichbaren Details aufzuweisen.

Der Emspark hat – für die Vielzahl von Nutzern und Interessen – eine Reihe von „points of interest“, u.a. – neben dem Schloss Rheda – z.B. einen Rosengarten, ein Cafè „Emshaus“, eine Wassermühle, ein Kunst-/ Künstleratelier „Bleichhaus“, ein NSG, eine Weichholzaue, Häckselwege an der Ems entlang, eine Stadthalle „Reethus“, einen Wasserspielbereich, ein Seecafè, einen Motoriktrail, eine „Spielerei“ für die Kleinen, eine Schaukelparade, einen Seilzirkus, eine Picknick-Scheune, eine Aussichtsplattform, eine Skateranlage im Areal einer ehem. Kläranlage, zahlreiche Wege und Brücken für Fußgänger und Radfahrer und Rollerblader (ähnlich „Mischverkehrsfläche“). Es gibt keine Störungen und keinen Vandalismus, u.a. durch die soziale Kontrolle der Besucher zu allen Zeiten. Der Park spielt eine sehr große Rolle für die Identität der Stadtbewohner.

Geführt und unterhalten wird der Park durch den Stab in der Verwaltung mit ca. 10 Mitarbeitern und durch Pflege von 6 Gärtnern und zahlreiche geringfügig Beschäftigte; einzelne Arbeiten werden an die Stadt vergeben oder an freie Firmen, da die GmbH selbst nur mit „leichtem Gerät“ arbeitet. Die GmbH hat eine Reihe von Sonderaufgaben, z.B. die Bewirtschaftung der Stadthalle und Verwaltung von Kultur und Events. Es gibt einen Aufsichtsrat aus Vertretern des Stadtrats und eine „Gesellschafterversammlung“, diese wird vertreten allein durch den Bürgermeister, der auch dafür zeichnet.

Einige Fragen von Interesse für einen Lutterpark:

  • Wasserqualität: Nach Entschlammung des Emssees vor ca. 8 Jahren (Finanzbedarf 200.000€ wegen guter Entsorgungsmöglichkeit) ist die Wasserqualität trotz einer Wassertiefe von nur 1-2 m (stellenweise auch 3 m) gut; es gibt keine Sedimente mehr wg. der Umflut der Ems, lediglich geringere Mengen von Biomasse durch Blätter (Bäume werden auf Abstand gehalten). Womöglich spielt eine Fontäne eine gewisse Rolle. Der See hat eine Oberfläche von ca. 10 % des Bi-Obersees.
  • Besucherlenkung/ Ufer/ Durchblicke: Neben dem unzugänglichen, aber sichtbaren NSG gibt es ein Areal für Altarme der Ems (Wasserqualität auch hier gut), die nicht zugänglich, aber gut einsehbar sind. Die Ufer sind stark freigeschnitten, aber neben völlig freiem Blick auf das Wasser (fließend, stehend) gibt es auch immer wieder reizvolle Blickfenster. Wo erwünscht (z.B. am Wasserspielplatz), wird der Zugang zum Wasser bewusst nicht freigeschnitten.
  • Beleuchtung: Nach längerer Suche wurde eine LED-Lampe gefunden, deren Farbspektrum nicht insektenirritierend (und damit schädlich für Fledermausjagd) ist. Damit wird ein Hauptweg durch den Park präzise ausgeleuchtet, Angsträume gibt es deshalb beim Durchqueren des Parks bei Dunkelheit nicht.
  • Umflut: Die Ems wird z.T. sehr eng am Emssee vorbeigeführt, nur durch einen kleineren „Deich“ getrennt. Es gelangt ein kleiner Anteil Frischwasser kontrolliert und sedimentarm durch eine einfache Barriere in den See.
  • Wasserspielplatz und Geräte: ES wird viel Wert auf „aktive“ Geräte gelegt (z.B. der Motoriktrail, der die Überwindung einer längeren Distanz ohne Bodenberührung verlangt). Eine Riesenrutsche mit allen möglichen Schikanen ist für jüngere und ältere Kinder/ Jugendliche geeignet, Preisbeispiel dafür: 49.000€
  • Kunst im Park: Es wurde eine Betonplastik vorgeführt, die allerdings auf keine Gegenliebe stieß, auch nicht im Rahmen von „Geschmack“, über den man streiten kann. Hier stellt sich die Frage, wer die Qualitätskontrolle innehat und das letzte Wort spricht (anders: wie kann man sich auch mal gegen ungewünschte Geschenke oder Sponsorengaben schützen?)
  • Konflikte/ Konfliktausgleich: Es gibt keine Konflikte mit Störern, Vandalen, Ellenbogen-Inhabern oder Hundeführern. Stichwort: Hohe Besucher-/Nutzerfrequenz, Soziale Kontrolle und Ordnung-Halten (keine „broken-windows“-Folgetaten), Dran-Denken auch für kleinere Interessengruppen (z.B. Skater)

www.flora-westfalica.de

Impressionen von der Exkursion

 
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